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Tragedy of the Commons

Nov 2010
07

Die Tragedy of the Commons, zu Deutsch etwa Tragödie des Allgemeinguts (Allmende), bezeichnet einen Zustand in der Sozialwissenschaft, nach dem frei verfügbare, aber begrenzte Ressourcen nicht effizient genutzt werden und durch Übernutzung bedroht sind.

Dies geht auf eine menschliche Eigenart zurück, die solcherart frei verfügbaren Ressourcen keine Nachhaltigkeit, keinen allgemeinen Wert angedeihen lässt, sondern ein jeder versucht, so viel Kapital als möglich aus dieser Ressource zu schlagen, solange dies eben möglich ist. Sobald die kritische Nutzergrenze überschritten ist, nimmt demzufolge diese Ressource ab; sie wird nach und nach zerstört. Als dessen Folge entstehen Kosten für die Allgemeinheit. Jetzt kommen die Politiker ins Spiel, die nun versuchen werden, diese Ressourcen zu reglementieren, oder sie exklusiv zu privatisieren. Die Tragik besteht nun darin, dass für den Einzelnen der augenblickliche Gewinn wesentlich höher ist, als die erst langfristig spürbaren Kosten. Letzthin trägt also jeder in dieser Kette sowohl zum eigenen als auch zum Ruin der Gemeinschaft bei. Beispiele sind zB. Wasser, Fisch, Wälder, Bodenschätze, Klima, Atmosphäre, um nur einige zu nennen.

Governing the Commons

Nun kommen wir zur Tragödie zweiter Teil: der (globalen) Reglementierung bzw. Privatisierung. Ersteres ist, wie wir aus leidvoller Erfahrung wissen, ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Solange der einzelne Mensch, aus Armut, Ignoranz, Unwissenheit oder purem Eigennutz gezwungen scheint, sich im Kampf um die Ressource den besten Platz zu sichern, wird die alleinige Definition von Verfügungsrechten niemals fruchten. Es wird immer Schlupflöcher geben, die dieser menschlichen Eigenart den evolutionären Vorsprung geben, sich und die Gemeinschaft weiter in den gemeinsamen Ruin zu wirtschaften. Wie wir anhand vieler Beispiele sehen, wird das gemeinschaftliche strikte Reglementieren auch solange herausgeschoben, bis es keiner mehr bemerkt, oder alles sowieso zu spät für eine vollständige Erhaltung ist (Klima, Thunfisch, etc.).
Der Gedanke der Privatisierung, also der absichtlichen Verkleinerung des Zugriffs unter Herausnahme aus der gemeinschaftlichen Verantwortung, ist sicherlich ein gesellschaftliches Armutszeugnis, denn dadurch überlässt man ein Gemeingut, dessen Erhaltung für die (Welt-) Gemeinschaft von größter Bedeutung ist, nur den größten der Raubritter, deren alleiniger Vorteil nur darin liegt, dass sie nun exklusiven Zugang haben und den Raubbau nur umso eifriger und effizienter betreiben können. Wie wir aber wissen ist es aber doch so, dass der Erhalt solcher Schätze der Gemeinschaft langfristig mehr nutzt, als es ihre gegenwärtige Ausbeutung uns zu Glauben vorgibt.

Handling the Commons

Wohin führt uns nun dieses Dilemma? Für den kurzlebigen Realisten und Pessimisten könnte dies in etwa folgendes bedeuten: Wozu zögern? Nehme, was dir ziemt! Das Leben ist kurz! Ein Motto, dem heute so viele Menschen gehorchen, dass man die Hände vor den Augen zusammenschlagen und sich am liebsten verkriechen würde. Es scheint zwecklos, sich in einen weiteren Kampf, wie unser spanischer Reiter aus der Mancha, zu begeben. Irgendwo ist doch immer einer, der von meinem ehrenvollen Rückzug profitiert und sich genüsslich das kleine Stück zurückgehaltener Ressource unter den Nagel reißt.

Und doch sprießen seit einigen Jahrzehnten überall kleine Hoffnungsträger, Rettungsanker für das globale Desaster aus dem Boden menschlicher Gesellschaften. Es sind Gemeinschaften, die getragen sind von Menschen, die auf regionaler Ebene zur Selbstorganisation fähig sind und gemeinsam nachhaltig handeln wollen und können. Sie zeigen uns, im kleinen Rahmen, dass wir uns von der Idee verabschieden sollten, dass es nur eine Lösung auf globaler Ebene geben kann.
Gilt dabei, dass wir nun das globale Denken in die Ecke schmeißen sollten? Nein, durchaus nicht, denn welche Erkenntnis, wenn nicht diese, zwänge die Menschen sonst zu eigenständigem Handeln, das der genannten menschlichen Eigenart ein Ende und Hoffnung in eine Zukunft setzt.


¹ Garrett Hardin, The Tragedy of the Commons
² Elinor Ostrom, Governing the Commons: The Evolution of Institutions for Collective Action

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