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Alter Mann und ewig jung

Apr 2012
15
LdV_self
* 15. April 1542
LdV_portait
† 2. Mai 1519

Leonardo da Vinci


Was ließe sich zu Leonardo da Vinci sagen, was nicht bereits hunderte Male erdacht, gefühlt, zu Papier und in Worte gefasst worden wäre. Doch eins ist es, was mich selbst in verschiedenen Lebensaltern immer wieder fasziniert und ehrfurchtfühlend vor die Bilder Leonardos hat treten lassen. Es ist, abseits der Faszination des großen Forschergeistes (menschlicher Proportionen und technische Entwicklungen, des großen Ingenieurs Leonardo) und Ahners kommender Entwicklungen und ebenso abseits der vielen Deutungen, die uns einige seiner Bilder in Verbindung mit seinem Leben ermöglichen, es ist, ja es sind die drei Hauptwerke, seine wirklich großen Hinterlassenschaften, an denen er doch so lange gesessen und mit ihnen gerungen hat.

Für mich sind es zuvorderst die „Anna selbdritt“, dann „Johannes der Täufer“ und zuletzt wahrscheinlich auch die „Mona Lisa“, diese allerdings gegenüber den beiden ersten nur bedingt.
hlg_anna Auschnitt
Auschnitt Anna selbdritt
Ausschnitt Jean Babtiste

Dortselbst faszinieren mich dieses unausprechliche Gesicht und Ausdruck der Heiligen Anna (hebräisch: Hannah), Mutter der Maria mit ihrem Jesuskindlein das mit Johannes dem Täufer in Gestalt des Lammes ringt, und überhaupt die zwanzigjährige Enstehung dieser außergewöhnlichen Gemäldes, ein großes Vermächtnis möchte man sagen; zum Zweiten natürlich Johannes selbst, „Saint Jean Baptiste“, der so außergewöhnlich leuchtend aus seinem geheimnisvollen Dunkel zu uns herüberstrahlt und der doch so ganz anders ist als derjenige, den er zu verkörpern vorgibt. Die „Mona“ trägt wohl Züge dieser beiden ersten, doch webt dort noch etwas anderes, nicht so sehr Vermächtnis, als Persönliches. Allen drei gemein wird wohl die, man kann ja wohl sagen, lebenslange zärtliche Verbindung zu seinem Lieblingsschüler „Salaj“ sein, wobei sich das „Liebling“ wahrscheinlich nicht so sehr auf dessen Können bezog, und dessen Züge in einigen der Bilder Leonardos verarbeitet sind. Das einzige Bild von dem sich Leonardo Zeit seines Lebens nicht trennen wollte, war doch die „Mona Lisa“, von deren Namen man schon früh annahm, dass es ein Anagramm zu „Mon Salai“ sei. Doch, so scheint mir, ist eine Reduzierung auf dieses Androgyne, diese heimlich offensichtliche Musenschaft als Erklärung dieser außergewöhnlichen Gesichter nur ein Teil dieser Verkörperung. So etwas reicht vom Altertum bis in unsere Zeit; Jünglinge, die alten Männern als Muse dienen. Die Schwelle zwischen Leib und Geist ist fließend... und seien wir doch ehrlich, selbst unser König Karl von Paris hält sich ein solches und obsiegt über die Madonnen unserer Zeit.

Könnte ich beschreiben was diese Gesichter so unausprechlich macht - es wäre ihrer nicht wert, tragen sie dieses Geheimnis doch seit Jahrhunderten vor sich her und legen diese Andeutung eines hohen Geistes, einer anderern Welt mitten durch diese androgyne Körperlichkeit, die, von diesem milden wissenden Lächeln, dieser Leuchtkraft durchstrahlt, nie etwas körperlich unsittliches aussendet, sondern von etwas Ganzem spricht, beglänzt vom Ätherischen, wie Ganymed, gr. „der Glanzfrohe“, die Erhebung der menschlichen Seele über das Irdene, darüber hinausreichend in die Welt des Geistes.

Ach, was wären wir ohne Leonardos Werke… Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, alter Mann!


Apropos Geburtstag ... es ziemet Leonardo’s Reich
der Helenen frommen Schöpfer gleich:
SCHLUSS

Als Onkel Nolte dies vernommen,
War ihm sein Herze sehr beklommen.
Doch als er nun genug geklagt:
»Oh!« - sprach er - »Ich hab’s gleich gesagt!
Das Gute - dieser Satz steht fest -
Ist stets das Böse, was man läßt!
Ei, ja! - Da bin ich wirklich froh!
Denn, Gott sei Dank! Ich bin nicht so!!«

Heroes of my childhood - Kalles Kulla

Dez 2011
04
Pipis hideout


"Blomkvist looked at the entrance door of Fiskargatan 9. It was one of Stockholm’s most exclusive addresses. He put the key in the lock and it turned perfectly. The list of residents in the lobby was no help. Blomkvist assumed it would be mostly corporate apartments, but there seemed to be one or two private residences among them. It hardly surprised him that Salander’s name was not listed, yet it still seemed unlikely that this would be her hideout. He walked up floor by floor, reading the nameplates on the doors. None of them rang a bell. Then he got to the top floor and read
V. KULLA.

Blomkvist slapped his forehead. He had to smile. The choice of name may not have been intended to make fun of him personally; it was more likely some private ironic reflection of Salander’s – but where else should Kalle Blomkvist, nicknamed for an Astrid Lindgren character, look for her than at Pippi Longstocking’s Villa Villekulla?"

no more to say... :-)

Martini hat nicht immer nur mit Gänsen zu tun...

Nov 2011
18

Schriftsteller liebten es von jeher in Hotels zu wohnen. Hotels bieten Geschichten. Sie erzählen endlose Geschichten des Lebens, kleine und große. Das Hotel ist eine kleine Insel, es hat ein eigenes Leben. Das Schöne ist, niemand muß sein eigenes Zimmer aufräumen, unsichtbare Geister stellen die Ordnung immer wieder her. Wer wüßte das besser zu schätzen als ein Künstler, dem der Sinn für dererlei Profanitäten abgeht. Es soll allerdings auch Ausnahmen geben...

Nunja! Ein gutes Hotel bietet soooo viel ... ein Panoptikum des Lebens, einen Rückzugsort für geschundene Seelen, meist auch eine Bar, in der man seinen Kummer bei ein paar Martinis für ein paar Stunden vergesssen kann...


I like to have a martini,
two at the very most.
After three I’m under the table,
after four I’m under my host!
 
Dorothy Parker, um 1920